(Foto: Jürg Bolliger)
Im Januar haben wir uns in einem unserer TA-Seminare mit dem Dramadreieck und weiteren Beiträgen von Stephen Karpman beschäftigt.
Karpman beschreibt typische Rollen, die Menschen in Konfliktsituationen oft einnehmen. Wenn jemand eine dieser Rollen im Dramadreieck besetzt, blendet er oder sie bestimmte relevante Aspekte aus.
Diese Rollen sind nicht fix. In der Regel kommt es früher oder später zu einem Rollenwechsel, wodurch das Drama weiter an Dynamik gewinnt.
Das Dramadreieck mit den drei Rollen ist vielen bekannt. Weniger bekannt sind Karpmans 10-Prozent-Regeln. Es handelt sich dabei um einen hilfreichen Zugang zum Umgang mit solchen Situationen, indem sie dazu einladen, innerlich einen Schritt zurückzutreten, zu ent-dramatisieren und letztlich aus dem Spiel im Dramadreieck auszusteigen.
Die 10-Prozent-Regeln in Kürze
Die Grundidee ist ebenso einfach wie wirkungsvoll:
Diese Perspektive entschuldigt kein unangemessenes Verhalten. Sie hilft jedoch, nicht sofort in Bewertung, Rechtfertigung oder Gegenangriff zu gehen.

Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag
Eine Vorgesetzte kritisiert einen Mitarbeiter scharf, weil sich in einem Schreiben an einen Kunden ein Fehler eingeschlichen hat. Der Ton ist unangemessen, vielleicht sogar vor anderen.
Auf der Oberfläche zeigt sich die Verfolger-Rolle. Der Mitarbeiter geht in die Opfer-Position, fühlt sich klein gemacht und ohnmächtig.
Mit der 10-Prozent-Brille betrachtet, wird das Bild differenzierter:
Diese Sichtweise verändert nicht automatisch das Verhalten der anderen. Sie verändert jedoch den eigenen inneren Spielraum. Und genau dort beginnt Entwicklung.
Die 10-Prozent-Regeln laden ein, das Dramadreieck und Konflikte mit mehr Bewusstheit, Selbstverantwortung und Mitgefühl zu betrachten, ohne etwas kleinzureden. Weniger Drama. Mehr Wahlfreiheit.
Quelle und Buchtipp:
Karpman Stephen (2016). Ein Leben ohne Spiele. Process Training and Consulting

